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Ist Reisen eine Flucht, oder das Ankommen bei sich selbst?

ist reisen eine flucht
Geschrieben von Sabrina

– Egal wo du hingehst, du nimmst deine Probleme mit. –

Immer und immer wieder denke ich diesen Satz in Vorbereitung auf meine lange Reise. Es ist 2015 und ich möchte unbedingt sicherstellen, dass mir klar ist, dass ich mich nicht auf der Flucht befinde. 

Als ich mich 2015 auf meine „Reise auf unbestimmte Zeit“ begebe, war für mich nur klar wo ich aus dem Flieger steige und wo ich die ersten Nächte verbringen werde.

Im Großstadtdschungel von Bangkok angekommen fühlte ich einfach nur eins: Tiefes Vertrauen in das was ich tue und eine Verbindung zu mir selbst wie ich sie lange nicht gespürt habe.

ist reisen eine flucht

2020 Vision

Rückblickend kann ich meine 2 jährige Reise sehr rational betrachten und offen zugeben: Ich bin geflüchtet.

Vor dem System in dem ich mich unwohl gefühlt habe, vor den Verpflichtungen die mich in eben diesem System so erdrückt haben, vor den vielen Fragezeichen die vor mir lagen und vor den Beziehungen, von denen ich mich habe kaputt machen lassen.

Ich war mir aber damals schon sehr darüber bewusst, dass ich meine Probleme mitnehme egal wo der Flieger landet.

Ich bin also nicht aus Unwissenheit geflohen, sondern weil ich mich selbst neu erleben und kennenlernen wollte. Weil ich meinem Schmerz begegnen wollte. Weil ich mich herausfordern wollte. Weil ich wusste, dass ich nicht vor meinen Problemen davonfliegen kann, egal wie weit ich von zu Hause weg bin.

Zu fliehen kann natürlich auch bedeuten, dass wir uns unseren Problemen nicht stellen wollen. Dass wir darauf hoffen, dass die Ferne alles gut macht und die räumliche Trennung von dem was uns zum Fliehen bringt, auch den inneren Schmerz stillt. Wenn du unterschwellig weißt, dass das auf dich zutrifft dann sei dir einfach dessen bewusst, dass du diesem Schmerz irgendwann begegnen wirst.

Egal wovor du fliehst, es holt dich irgendwann ein

Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Und ich denke heute, dass das Reisen all meinen Schmerz noch mehr zu Tage gefördert hat. Warum? Weil ich endlich die Ruhe und Zeit hatte, mich mit all dem auseinanderzusetzen was sich über die Jahre angesammelt hat. 

Während meiner Reise bin ich immer wieder in alte Verhaltensmuster gefallen. Ich habe Episoden auf meiner Reise durchlebt, bei denen ich mir vorher sicher war, diese Verhaltensmuster längst abgelegt zu haben.

Aber auf Reisen spürst du ganz genau wo der Schuh drückt. 

Auf der einen Seite bist du ständig mit neuen Menschen zusammen, auf der anderen Seite hast du viel Zeit zum Nachdenken. Du reflektierst dein Leben und erfährst dich durch die vielen unterschiedlichen Begegnungen immer wieder auf ganz besondere Art und Weise.

Und wenn du deinen Problemen begegnest, dich ihnen stellst (wenn auch nach langen Jahren und vielen Reisen) und du sie bewusst und selbstliebend zur Kenntnis nimmst, dann wirst du sie irgendwann auch bewältigen.

Somit kann das Reisen dir natürlich auch dabei helfen, bei dir anzukommen. Denn auch wenn du fliehst, irgendwann wirst auch du irgendwo ankommen. Und am Ende ist es egal wie lange das bei dir dauert, aber im besten Fall spürst du, dass DU das Ziel bist und es auch schon immer warst.

Ob Flucht oder nicht, genieße deinen Weg

Ich selbst fühle mich wohl mit den Erfahrungen die ich gemacht habe, auch wenn der Weg bis hierhin steinig war. 

Es ist schön zu erkennen, dass das Fliehen nichts schlimmes sein muss. Fliehen kann auch einfach nur bedeuten, dass du auf der Suche nach etwas Neuem bist. Dass du herausfinden möchtest wo deine Grenzen sind oder ob das was das Leben zu Hause zu bieten hat, wirklich alles ist.

Natürlich kannst du die innere Arbeit an dir selbst auch in deinem vertrauten Umfeld bewältigen. Aber manchmal ist es wichtig sich von alten Strukturen zu lösen und bekannte Orte und Gesichter hinter sich zu lassen.

Das muss nicht bedeuten, dass es kein Zurück gibt. Es heißt einfach nur, dass du bereit bist herauszufinden ob du dort wo du jetzt bist wirklich hineinpasst.

Reisen als Flucht. Das Ankommen

Wo immer du bist, ob du bewusst fliehst oder ob du denkst, dass du nicht auf der Flucht bist: Genieße die Momente des Ankommens. Die Augenblicke in denen du genau spürst, dass der Weg den du gehst der Richtige ist.

Und wenn du irgendwann so richtig ankommst, scheue dich nicht zuzugeben dass du vielleicht doch auf der Flucht warst. Dass es notwendig war dich aus deinem alten Leben rauszureißen. Dass du diese Reise gebraucht hast.

ist reisen eine fluchtIch persönlich brauchte diese Reise. Ich brauchte all die Momente, egal ob wunderschön oder schmerzhaft. Ich brauchte alle Sonnenuntergänge am Meer, alle Krankheiten unterwegs und jede noch so kleine und große Begegnung.

Wenn du mich heute fragst ob ich immer noch auf der Flucht bin, kann ich Folgendes sagen:

Nein, nicht mehr.

Ich bin angekommen.

Den Impuls zu fliehen, ja, den spüre ich immer noch, immer mal wieder. Und dann denke ich: Shit, ich muss hier weg.

Ich habe aber gelernt, dass ich mich meinen Problemen am besten stelle wenn ich genau dort bleibe wo ich sie spüre. Alles andere ist nur ein Aufschieben.

Und mit diesem Wissen kann ich mich zurückfallen lassen und mir versichern, dass ich dort wo ich bin, richtig bin.

Denn meine Probleme werden mich finden, egal wie weit ich auch wegfliege, egal wie schnell ich versuche davonzulaufen.

Heute möchte ich das Ankommen genießen, mit all den Annehmlichkeiten und Herausforderungen die es mit sich bringt. Das heißt nicht, dass ich nicht mehr reisen werde, es heißt nur, dass ich nicht mehr auf der Flucht bin.

Zögere das Ankommen nicht unnötig hinaus wenn du genau spürst, dass du fliehst. Frage dich wovor du fliehst und warum – und freue dich darauf irgendwann, irgendwo anzukommen.

Alles Liebe, Sabrina


Was sind deine Erfahrungen zum Reisen, zum Fliehen und zum Ankommen? Hinterlasse mir einen Kommentar ♡



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