GEDANKEN

Meine Reise beginnt. Vom Loslassen & Abheben

bangkok
Geschrieben von Sabrina

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11:19 Uhr zeigt die Uhr auf meinem Handy.

 

Es ist Sonntag, der 13. September 2015. Auf der Straße ist wie immer heftiges Getümmel, die Sonne steht gleißend am Himmel und heizt die Luft in der Stadt auf feuchte 33 Grad auf. Es ist mein dritter Tag in Bangkok.

Bangkok, echt?

Ein Blick in die Runde meines Hostels und auf die vorbeifahrenden Tuk Tuks vor dem Fenster geben mir Sicherheit. Ja, ich bin echt in Bangkok.

Es gibt glaube ich zwei Dinge, die mir immer mal wieder in die Quere kommen wenn es darum geht, genau das zu realisieren.

  1. Der Moment des Abschieds von zu Haus kam dann doch irgendwie so plötzlich. (Wie das immer so ist, auch mit dem Herbst, plötzlich ist er da..)
  2. Fühle ich mich hier in meiner neuen Umgebung auf Zeit nicht fremd. Ich fühle mich, als müsste ich hier sein.

Allerdings war es ein weiter Weg bis hierhin.

Hier und Heute möchte ich genau aus diesem Grund einmal die Chance nutzen, um ein wenig zurückzuspulen.

Juni 2014 – Weltreise oder was?

Das war der Monat in dem die Idee, die schon lang in mir keimte, Form annahm. Das große Verlangen und der Welthunger waren nach meiner Reise nach Portugal so groß geworden, dass ich eine Entscheidung getroffen habe: Ich gehe.

Dann ging vieles total schnell. Meinen damals aktuellen Job hatte ich zum nächstmöglichen Zeitpunkt gekündigt, meine WG in Potsdam aufgegeben und viele Freunde verlassen, um die Möglichkeit zu nutzen fast mietfrei in einem Haus meines Vaters zu wohnen.

Am anderen Ende von Berlin wollte ich nun also 1 Jahr lang arbeiten, sparen und die Reise planen. Ein Jahr, reicht das?

Oktober 2014 – Arbeit, Arbeit, Arbeit

Nachdem ich nun 2 Monate in meinem neuen Heim wohne, habe ich bereits meinen Job gewechselt. Im Grunde war es mir total egal als was oder wo ich arbeite, solange genug Geld in meine Urlaubskasse gespült wird.

Ich musste aber auch erkennen, dass es Jobs gibt, nein, mit denen möchte ich mich einfach nicht auseinandersetzen. Ich wollte mich die letzten Monate in Deutschland dann doch nicht jeden Morgen aus dem Bett quälen müssen und einen Job machen, den ich, gelinde ausgedrückt, nicht ausstehen kann.

Warum machen Menschen das?

Dezember 2014 – Finanzcheck

Ende des Jahres war der Moment für mich, in dem ich mich intensiv mit meinen Finanzen und meiner anstehenden Reise auseinandergesetzt habe.

Wie viel Geld werde ich am Ende haben?

Reicht das?

Was kann ich mit meinem Ersparten alles machen, wo kann ich überall hin?

Mein Hirn zählte, addierte, wog ab und warf alles wieder über den Haufen.

Es gab Tage, an denen schien es unmöglich jemals loszuziehen und dann gab es Lichtblicke und Einfälle, die mir Mut machten und mich weiter auf Kurs hielten.

Gedanken wie: „Man Sabrina, das wird schon.“ trugen manchmal heftige Kämpfe mit Gedanken wie: „Tss.. wenn das so weitergeht kannst du das alles knicken..“ aus.

Am Ende war aber immer klar: Ich mach das. Egal wie lang die Reise wird, egal wie wenig finanzielle Mittel ich habe. Es wird einen Weg geben. Denn eine andere Wahl, gab es für mich nicht.

April 2015 – Reiseplanung Ahoi

So langsam wird es also ernst. Die Flüge für September sind gebucht, die ersten Hostels auch. Eine grobe Route steht.

Dies ist auch die Zeit, in der ich immer mal wieder ein kleines Freudenkribbeln im Bauch bekomme, wenn ich über die anstehende Reise rede oder nachdenke.

Die Sorgen über die Knete habe ich mehr oder weniger beseitigt, bringt ja auch nix.
Stattdessen habe ich mir Online noch einen Job als Texter gesucht, mit dem ich sogar komplett von unterwegs Geld verdienen kann.

Ja, irgendwie lief es einigermaßen gut.

August 2015 – Abschiede

Der August war auf jeden Fall schon mal ein guter Vorgeschmack auf das, was mich am Tag meines Abflugs erwarten würde.

Ich besuchte meine Großeltern, traf mich mit Freunden und spürte mehr als je zuvor, wie wichtig mir dieses ganze Netz aus Familie und Freunden ist.

Mit dem August wuchs auch die Nervosität. Meine Finger kribbelten und meine Gedanken kreisten nur noch um eine Sache: Habe ich alles?

Das bezog sich vor allem auf das Reisegepäck, die Planung und alles rund ums Geld.

Kreditkarten?

Medikamente?

Krankenversicherung?

Reiseadapter?

Postfach mit Scanservice?

Die Liste war endlos lang und nahm wirklich erst in den letzten Tagen vor meiner Abreise ab.

Bei vielen Dingen wusste ich, dass es nicht tragisch ist wenn ich diese erst vor Ort besorge. Doch bestimmte Sachen müssen einfach von Deutschland aus geklärt werden.

September 2015 – noch 9 Tage

Jetzt geht es also ans Eingemachte!

Ich verkaufe 75% meines Besitzes, werde endlich auch die Sachen los, die ich schon seit 3 Umzügen immer wieder mit mir rumschleppe – aber nicht einmal gebraucht habe.

Emotional war ich einfach nie in der Lage mich von vielen Dingen zu lösen, aber dieses Mal wollte ich es richtig machen. Kein Ballast sollte zu Hause auf mich warten.

Ich reduzierte alles was ich besitze auf 3 große Kisten, 2 kleine, einen Koffer, und einen Rucksack. Irgendwie kommt mir das immer noch wahnsinnig viel vor.

Am Abend des 08.09.2015 packe ich meinen Rucksack, der ab dem 09.09.2015 für unbestimmte Zeit mein Kleiderschrank und Büro sein wird.

40 Liter. Nur Handgepäck. Das war Bedingung Nr.1. Keine Kamelartige Beladung mit 5 Taschen. Das wollte ich mir nicht antun.

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09.09.2015

Um 5 Uhr morgens klingelt mein Wecker. Ich bin wahnsinnig müde, springe unter die Dusche und versuche mich mental auf den langen Tag vorzubereiten.

13 Flugstunden liegen vor mir. 1,5 Stunden bis nach Oslo und von dort 11,5 Stunden bis nach Bangkok.

Ich setze meinen Rucksack auf und gehe ein letztes Mal durch die Zimmer, die das letzte Jahr mein Zuhause waren. Und dann wird es plötzlich doch emotional, ich denke an all die Anstrengungen der letzten Jahre, die Sehnsucht nach (scheinbarer) Freiheit und daran, dass dieser Moment, auf den ich so lange gewartet habe, endlich da ist.

 

Langsam knipse ich das Licht aus und gehe zur Tür. Ein letztes Mal drehe ich den Schlüssel rum.

Am Flughafen geht’s dann erst richtig los. Meine Eltern und Großeltern sind gekommen um mich zu verabschieden. Und man, ist das hart.

Mit verweinten Augen steige ich in den Flieger und hebe wenig später in den Himmel über Berlin ab.

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Ich lasse los. Vom vermeintlich sicheren Boden und von Deutschland.

Meine Familie im Herzen steige ich in die Wolken über Deutschland auf. Ich freue mich wie verrückt auf das, was kommt.


Und hier sitze ich nun also, mitten in Bangkok in einem Hostel und lasse die Momente vor meiner Abreise noch einmal an mir vorbeiziehen.

Diese verrückte Stadt, die Lautstärke des wahnsinnigen Verkehrs, die Farben der Früchte, die Gerüche der Straßenstände, die Freundlichkeit der Menschen, ja, aber auch die Armut, der Zerfall und die Abgase, werden für heute und die nächsten Tage mein Zuhause sein.

Meine Reise hat begonnen.

Du möchtest den Tag meiner Abreise auf YouTube sehen? Hier geht’s zum Video und zu meinen Vlogs.


Du hast Fragen, Anregungen oder möchtest etwas loswerden? Ab in die Kommentare damit, ich freu mich drauf.

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4 Kommentare

  • Liebe Sabrina!! Wohhh ich bin begeistert, wie du alles vorbereitet hast,dein Blog ist toll.ich werde mit Jana an deinem Abenteuer teilnehmen..danke dafür! Wünsche dir eine wundervolle Reise,tolle Begegnungen mit interessanten Menschen u.vieeellle unvergessliche Eindrücke..die dich ein lebenslang begleiten werden!bleib schön gesund..liebe Grüsse aus good old Germany

    • Liebe Regine,

      schön, dass du und ihr hier vorbeischaut. Das freut mich sehr. Lieben Dank! Ich werde immer mal wieder berichten und wünsche euch eine tolle Herbstzeit. Genießt die bunten Blätter :)

  • …einfach großartig;)
    Ich wünsche Dir eine wunderbare, ereignis-und erfahrungsreiche Zeit. Und eins ist Fakt: Das nimmt Dir keiner!
    Liebe Grüße aus Berlin

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