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Mein schönster Reisemoment & die Angst vor dem Leben

ilha deserta
Geschrieben von Sabrina

Manchmal habe ich das Gefühl, so vieles schon gesehen zu haben.

An anderen Tagen schaue ich hoch in den dunklen Sternenhimmel und mir wird klar:

„Man, es gibt noch so wahnsinnig viel zu entdecken.“

 

Klar, ich buche mir jetzt keinen Flug auf den Mars, da hätte ich gar keinen Bock drauf, aber allein auf diesem Planeten, auf diesen 149.430.000 km2 (und das ist nur die Landfläche) gibt’s so viele Ecken, Plätze, Menschen, Tiere und Geschichten, die ich unbedingt entdecken möchte.

Doch was ist mit den Dingen, die ich schon erlebt habe. Gibt es dort herausragende Momente und Geschichten?

Angeregt zu diesem Gedanken wurde ich als ich auf der Seite von Sabine, auf geckofootsteps.de, auf die Blogparade gestoßen bin:

Mein schönster Reisemoment

 

Sofort schoss mir diese eine Situation in den Kopf. Dieser eine Moment, der für mich der Anstoß dafür war, auszubrechen.

Dafür muss ich gar nicht soweit zurückblättern, denn dieser Augenblick war Anfang Juni 2014.

03.06.2014 Faro, Portugal

Ich war gerade 2 Tage in Faro und zugegeben, ich war etwas gelangweilt.

Dieses kleine Örtchen an der Algarve in Portugal ist wirklich schön, es gibt eine Einkaufsstraße mit süßen Läden und eine wirklich schöne Altstadt. Aber nach 2 Tagen „Sightseeing“ war für mich dort relativ wenig rauszuholen und das Wetter war die letzten Tage echt bescheiden.

Nicht so jedoch an diesem Donnerstag Morgen. Die Sonne strahlte schon früh in mein kleines Zimmer und meine Stimmung passte sich dem hellen Licht des Tages an.

Nach dem Frühstück hab ich mich an ein paar Leute aus dem Hostel gewandt und gefragt, was ich denn noch unbedingt sehen müsse, bevor ich morgen weiterziehe.

Ausnahmslos wurde ich auf eine Tour auf die Ilha Deserta verwiesen die unglaublich schön sein soll. Von meinen Dorm Room Mitbewohnern hatte ich jedoch gehört, dass es „zwar ganz schön sei – aber irgendwie auch nichts besonderes“.

Ich überzeuge mich ja gern selbst von den Dingen und da ich nichts weiter vorhatte, beschloss ich meine Sonnenbrille einzupacken (die endlich auch zum Einsatz kommen würde) und mich auf den Weg zu machen.

Die Ilha Deserta ist von Faro aus nur mit der Fähre oder einem Boot zu erreichen und mit mir warteten an diesem Morgen ca. 10 Leute auf die etwa 30 minütige Überfahrt.

Ich wusste nicht was mich erwarten wird und habe mich einfach dorthin schippern lassen.

Auf auf zu neuen Ufern

Schon auf der Fahrt merkte ich, wie ich scheinbar von vielen Dingen losließ. Ich saß an der Reling der Fähre, schaute auf’s Wasser und auf die vorbeiziehenden kleinen Inseln die sich aus dem blauen Nass erhoben. Hier und da stand ein Fischer auf seinem Boot und während mir der Wind um die Nase wehte, konnte ich ahnen dass dieser Ausflug genau das ist, wonach ich unterbewusst lange gesucht habe.

ilha deserta

Als das leicht schwankende Boot an der Insel anlegte sah ich erstmal ein flaches, holzfarbenes Restaurant. Mein erster Gedanke war: Na super, eine Insel die verbaut ist und dazu einladen soll, Geld da zu lassen.

Ich sollte falsch liegen, zum Glück

Auf der Ilha Deserta stand für mich für 3 Stunden lang die Zeit still.

Es mag sein, dass die Insel an anderen Tagen oder zu einer anderen Saison überlaufen ist, aber an diesem Tag war es dort nahezu menschenleer und echt paradiesisch.

Sie ist umsäumt von wunderschönem weißen Sand und Holzstegen, mit denen man quer über die Ilha Deserta laufen kann.

ilha deserta

Ich kam vorbei an kleinen Hütten die verlassen schienen und doch irgendwie total schön aussahen. Hier und da war mal jemand am Strand oder hat Fotos von dem traumhaften Fleckchen Land gemacht.

ilha deserta

Ein kleiner Hügel & das, was danach kommt

Nach einigen Metern befand ich mich mutterseelenallein inmitten dieser Insel. Ich machte unzählige Bilder und musste mein Handy nachdem es mir runtergefallen war, irgendwie aus den Ritzen des Stegs befreien.

Nachdem mir Stock und Sonnenbrille zur Hilfe gekommen sind, lief ich noch einige Meter weiter.

Schon in diesem Moment war ich erfüllt von der Schönheit der Natur und der scheinbaren Einfachheit mit der das Leben hier Tag ein Tag aus stattfand.

Leise hörte ich das Zirpen irgendwelcher Tiere im vertrockneten Gebüsch, der Wind wehte nur noch leicht und die Sonne Stand gleißend am Himmel über mir.

Einige Meter vor mir erhob sich der Steg zu einem kleinen Hügel, sodass ich nicht sehen konnte, wo es mich danach hinbringen würde.

Langsam aber sicher näherte ich mich dem höchsten Punkt und dort angekommen, sah ich etwas von dem ich lange glaubte, es nie wieder zu sehen.

Die Tränen sammelten sich in meinen Augen. Ich nahm die Sonnenbrille ab um sie mir von der Wange zu wischen.

Ich weiß nicht.. und es ist wahrscheinlich auch egal ob das jemand nachvollziehen kann oder nicht, aber solche Momente habe ich nur unterwegs. Sie mögen simpel und klein scheinen, aber für mich war dies mein bisher schönster Reisemoment.

Vor meinen Augen noch einige Hundert Meter entfernt sah ich den Atlantischen Ozean. Keine Insel versperrte den Blick auf den weiten Horizont. Ich sah ihn in seiner ganzen Kraft und Größe wie er Welle um Welle an den weißen Strand drückte. Ich stand einfach nur dort und sah ihm dabei zu.

Der Ozean hat für mich irgendwie eine wahnsinnig starke Bedeutung. Schon als Kind war ich mit der Familie ständig unterwegs. Ich habe Strände, Städte und Inseln gesehen und dachte damals nie daran, dass das Reisen für mich einmal zu einer unüberwindbar scheinenden Aufgabe werden wird.

ilha deserta

Als sich bei mir jedoch irgendwann eine Angststörung einstellte, war neben vielen anderen Dingen das Betreten eines Flugzeugs für mich absolut keine Möglichkeit mehr. Der Gedanke daran, wohl nie wieder dem Meer und der Ferne nah zu sein, erdrückte mich mehr als ich es mir eingestand.

Ich war gefangen in meinen eigenen Gedanken und sah keinen Weg hinaus. Ich lebte in Angst, jeden Tag. Angst vor dem Tod und damit auch vor dem Leben.

Es ist so schwer mich in diese Zeit zurückzuversetzen aber es tut so gut zu sehen, dass sich das Blatt irgendwann gewendet hat und ich erkennen konnte, dass mich diese Ängste mein ganzes Leben lang einsperren würden.

Und so hatte ich irgendwann, nach einigen Jahren des Kampfes, den Mut gefasst mich meinen Ängsten zu stellen.

Deswegen und genau deswegen, ist dieser Moment, in dem ich den Ozean von weiten sehe und weiß, wie nah ich ihm bin, mein schönster Reisemoment.

Er erinnert mich an die Kämpfe von früher, an die Sehnsucht nach dem Leben und bestärkt mich darin, dass das Leben zu kurz für ständige Angst ist.

Von da an war mir klar, dass das Reisen wieder einen größeren Platz in meinem Leben einnehmen müsse.

Ich war glücklich und man! war ich stolz. Am Wasser angekommen sah ich dem Tanz der Wellen zu und genoss diesen Moment so so sehr!

Mit den Füßen im Wasser genoss ich die Stille auf der Insel und die Ruhe in mir. Das war einer der schönsten Momente meines ganzen Lebens.

ilha deserta

 

Es bedarf viel im Leben um es wirklich zu leben. Von außen mag es manchmal so einfach aussehen, doch jeder von uns kämpft an dem ein oder anderen Punkt mit Gedanken und Zweifel.

Das macht uns menschlich und das ist großartig.

Danke Sabine, für diese Blogparade. Sie hat mir noch einmal gezeigt, wie toll das Leben ist und wie wichtig diese klitzekleinen Momente sein können.

 

Ich persönlich kann die Fahrt auf die Ilha Deserta nur empfehlen. Es ist wirklich traumhaft schön dort und wenn man sich auf die Leere und die Stille einlassen kann, dann ist es ein wirkliches Paradies.

 

Gibt es solche Momente auch in deinem Leben? Warst du schon mal auf der Ilha Deserta? Schreib’s in die Kommentare. Ich freu mich drauf!


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9 Kommentare

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